"Wer bin ich?" ist eine Frage, die philosophisch klingt, wird aber in einem grundlegenden Sinne in den ersten drei Jahren des Lebens beantwortet. Die Entwicklung des Sinns des Selbst — grundlegend für alle soziale, emotionale und moralische Entwicklung — folgt einer bemerkenswert konsistenten Abfolge über Kinder und Kulturen hinweg.
Healthbooq bietet Anleitung zum inneren Leben und der emotionalen Entwicklung von Kindern während der frühen Jahre.
Das früheste Selbst: Körper und Effizienz (0–6 Monate)
Das Fundament des Selbst ist propriozeptiv — der implizite Sinn, einen Körper zu haben, der vom Umfeld unterschiedlich ist. Forschung von Philippe Rochat deutet darauf hin, dass sogar junge Säuglinge zwischen Reiz unterscheiden, die von ihren eigenen Körpern und Reiz, die von außen kommen — einer der frühesten Marker der Selbst-Fremd-Unterscheidung.
Neben diesem entwickelt sich der Sinn der Effizienz — "Ich mache Dinge und Dinge passieren" — durch die frühen Monate. Der Säugling, der entdeckt, dass Treten ein Mobile bewegt, dass Weinen den Betreuer bringt, lernt eine frühe und grundlegende Lektion über die Identität: Ich bin ein Agent.
Das interpersonale Selbst: Teilen und Attunement (2–9 Monate)
Daniel Stern identifizierte eine Phase, die er das "subjektive Selbst" nannte — das Bewusstsein, ein inneres Leben zu haben, das mit einer anderen Person geteilt werden kann. Dies entsteht aus wiederholten Erfahrungen von Attunement — Momenten, in denen der Betreuer den emotionalen Zustand des Säuglings abgleicht und ihn zurück spiegelt.
Durch diese Erfahrungen entwickelt der Säugling den Sinn, ein Subjekt mit einem inneren Leben zu sein, das bekannt und teilbar ist — eine grundlegende Dimension der Identität.
Spiegelerkennung: Das reflektive Selbst (18–24 Monate)
Das Spiegelerkennung-Paradigma (der Rouge-Test: ein Fleck Rouge auf die Nase des Säuglings platziert; Spiegelerkennung demonstriert durch Erreichung zur Nase statt zum Spiegel) ergibt typischerweise konsistente Selbsterkennung ab etwa 18 Monaten.
Spiegelerkennung markiert das Entstehen des reflektiven Selbst — die Fähigkeit, sich selbst als Objekt von außen zu beobachten. Diese Fähigkeit:
- Ermöglicht Selbstbewertung (Stolz, Scham, Verlegenheit)
- Ermöglicht die Verwendung selbstbezüglicher Sprache („ich", „mein", „ich")
- Ermöglicht echte Imitation (wenn ich wie diese Person bin, kann ich sie kopieren)
- Ermöglicht dem Kleinkind zu verstehen, dass Regeln auf sie selbst anwendbar sind
Das kategoriale Selbst: Attribute und Zugehörigkeit (18–36 Monate)
Neben Spiegelerkennung entwickelt das Kleinkind ein kategoriales Selbst — ein Bewusstsein der Zugehörigkeit zu Kategorien (Mädchen, groß, schnell, gut) und des Habens stabiler Attribute ("Ich bin die Art von Person, die...").
Das leidenschaftliche Insistieren des Kleinkindes auf "mein" — die Besitzersichtung, die für diese Periode so charakteristisch ist — ist teilweise eine Behauptung des kategorialen Selbst: dieses Objekt ist meins, und meine Beziehung zu diesem Objekt ist Teil wer ich bin.
Das autobiografische Selbst: Kontinuierliche Erzählung (3+ Jahre)
Ab dem dritten Jahr beginnen Kinder, ein autobiografisches Gedächtnis und ein autobiografisches Selbst zu entwickeln — das Gefühl, eine Person zu sein, die eine kontinuierliche Geschichte hat, die auch die Person in der Vergangenheit war und die Person in der Zukunft sein wird.
Dieses autobiografische Selbst hängt von Sprache und Erzählung ab. Eltern, die Erzählungen mit Kindern co-konstruieren ("Erinnerst du dich, als wir zum Strand gingen? Du hattest zuerst Angst vor den Wellen...") unterstützen aktiv die Entwicklung der autobiografischen Identität.
Das Wichtigste auf einen Blick
Der Sinn des Selbst — die Erfahrung sich selbst als unterschiedliches Wesen mit Attributen, Vorlieben, einer fortlaufenden Geschichte und einer Perspektive — entwickelt sich progressiv durch die ersten drei Jahre des Lebens. Es ist nicht bei der Geburt vorhanden und kommt nicht in einem einzelnen Moment an. Es baut in Schichten auf: zuerst ein implizites Körperselbst; dann ein Bewusstsein der Effizienz (Ich kann Dinge verursachen); dann ein reflektives Selbst, das beobachtet und bewertet werden kann; und schließlich ein autobiografisches Selbst mit einer kontinuierlichen Erzählung über die Zeit.